barock-lexikon

Begriffe zur 
Oberschwäbischen Barockstraße erklärt

Die Welt des Barock steckt voller faszinierender Begriffe, kunstvoller Details und historischer Besonderheiten. Ob Architektur, Malerei, Kirchenkunst oder Geschichte – unser Barock-Lexikon erklärt die wichtigsten Fachbegriffe rund um die Oberschwäbische Barockstraße verständlich und kompakt. So entdecken Sie die bedeutenden Bauwerke, Klöster und Kirchen der Region mit einem neuen Blick und vertiefen Ihr Wissen über eine der eindrucksvollsten Kulturlandschaften Deutschlands.

Intro

Barockbegriffe von A bis Z

Luftaufnahme der barocken Schlossanlage Altshausen, im Hintergrund ein Weiher, Wälder und Felder

absolutismus

Die Zeit des Barock ist geprägt von der Staatsform des Absolutismus, das heißt: Einer sagt, wo’s lang geht, alle Macht liegt bei einer einzigen Person – etwa bei einem Fürsten, einem Herzog oder Graf. In der Region Oberschwaben-Allgäu-Bodensee endeten die „absoluten“ Befugnisse allerdings an der recht bald erreichten Grenze des eigenen Territoriums: Die politische Landkarte der Region glich einem bunten Mosaik aus kleinen Fürstentümern, die allein dem fern in Wien weilenden und wenig einflussreichen Kaiser verpflichtet waren. Auch viele >KLÖSTER verfügten über eigene Gebiete, die dann von einem Fürstabt regiert wurden. 

Schlösser und Klöster an der Oberschwäbischen Barockstraße entdecken
Der Buchstabe B in Goldschrift auf blauem Untergrund mit goldenem Rahmen

Barock

Barock steht für eine überbordende Epoche der Kunst. Beginnend um 1600 in Rom breitete sich der barocke Stil ab ca. 1670 auch in Süddeutschland und bis nach Oberschwaben-Allgäu aus. Nur eine Epoche später, während des eher strengen Klassizismus, rümpfte man schon die Nase über die grenzenlose Gestaltungsfreude der Jahrzehnte zuvor. Aus dieser Zeit soll auch die Bezeichnung stammen: Das Wort Barock kommt von “barocco“, portugiesisch für krumme, unregelmäßig geformte Perle.

Frontansicht Barockkirche St. Katharina Wolfegg

Gegenreformation

Die Gegenreformation ist die Antwort der katholischen Kirche auf die Reformation. Sie prägt den Barock entscheidend. Mit neuen Ordensgemeinschaften, klaren Glaubensregeln und beeindruckender Kunst soll der Glaube gestärkt und Vertrauen zurückgewonnen werden. Besonders in Süddeutschland und Oberschwaben-Allgäu entstehen prachtvolle Kirchen und Klöster. So wirkt die Gegenreformation als Instrument der Glaubensverbreitung und zugleich auf politischer und kultureller Ebene. Bis heute hinterlässt sie ihre Spuren in der Landschaft entlang der Oberschwäbischen Barockstraße.

Großes weißes Gebäude mit barockem Schneckengiebel, im Vordergrund eine wilde Blumenwiese

Kloster / Klöster (Pl.) 

Klöster sind weit mehr als ein Zusammenschluss frommer Männer oder Frauen zu einem gottgefälligen Leben. Um eine reibungslose Versorgung zu sichern, verfügten sie meist schon bei ihrer Gründung über Territorien und von ihnen abhängige Bauern, Handwerker und Fischer. Die Herrschaftsgebiete weiteten sich vielfach aus und bescherten den Klöstern Reichtum und Macht. In Oberschwaben regierte etwa der Fürstabt der Abtei Weingarten im Barock über mehr als 300 Quadratkilometer Fläche und 11.000 meist abgabepflichtige Untertanen. Weitere Klöster mit umfangreichen Territorien waren u.a. Roggenburg, Schussenried, Ochsenhausen, Zwiefalten und Rot a. d. Rot. Heute gibt es noch einige aktive Klöster entlang der Route, die Gäste aufnehmen und spirituelle Programme und Auszeiten anbieten.

Auszeit im Kloster an der Oberschwäbischen Barockstraße nehmen
Detailaufnahme der barocken Altarverzierung: Ein weißer Totenkopf beißt in eine goldene Schlange

Memento Mori

Den Menschen aus Oberschwaben, dem Allgäu und rund um den Bodensee steckte der verheerende Dreißigjährige Krieg (1618-1648) auch 100 Jahre später noch in den Knochen. Die hohe Sterblichkeit von Kindern und von Frauen bei der Geburt tat ein Übriges dazu, dass das Lebensgefühl im Barock vom Bewusstsein über die eigene Endlichkeit geprägt war. Was uns heute morbide erscheinen mag – Totenköpfe als Teil der Altardekoration wie in der Klosterkirche Ochsenhausen – fanden die Menschen damals normal. „Memento Mori“ nennt man solche Motive, das bedeutet: „Bedenke, dass du sterblich bist“. Sie ermahnen zu Demut und zur Ausrichtung des Lebens auf das Jenseits.

Mehr erfahren zum bäuerlichen Leben im Barock
Leckere runde Schmalzgebäckstücke mit Puderzucker, genannt Nonnenfürzle

Nonnenfürzle

Dick mit Zucker bestreut sind die kleinen, runden Brandteigkrapfen. Besonders während der Fasnachtszeit erfreuen sie sich in Oberschwaben-Allgäu großer Beliebtheit. Um den Namen rankt sich manche Geschichte. Eine davon besagt, dass eine junge Nonne den zu feuchten Teig ins heiße Fett gegeben hat, was auffällige Zischgeräusche hervorrief. Da der Bischof anwesend war, verließ sie fluchtartig die Küche, denn die Geräusche waren ihr unangenehm. Daraufhin soll der Bischof das Gebäck schmunzelnd „Nonnenfürzle“ genannt haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Name auf den mittelalterlichen Ausdruck „nunnekenfurt“ zurück geht, was so viel bedeutet wie „von den Nonnen am besten zubereitet“. Neben Nonnenfürzle gibt es noch andere barocke Schlemmereien, z. B. "zogene Kiachle" oder Trisinet-Schnitten.

Prediger

In der Barockzeit hatten Prediger eine zentrale Rolle, da sie Glaube und Moral eindringlich vermitteln sollten. Abraham a Sancta Clara war einer von ihnen. Er war nicht einfach Prediger, er war ein Influencer seiner Zeit. Geboren 1644 wächst Abraham a Sancta Clara als achtes von zehn Kindern der Wirtsfamilie Megerle nahe Meßkirch auf. Sein Onkel ermöglicht ihm den Besuch der Benediktinerschule in Salzburg. Er wird Ordensbruder, nach dem Studium Pfarrer. Seine unterhaltsamen, teils deftigen Predigten haben Event-Charakter, sie dauern locker mehrere Stunden. In Kreenheinstetten steht das Geburtshaus Abrahams. Ein kleines Museum, die Abraham a-Sancta-Clara-Gedenkstätte, informiert in der ehemaligen Pfarrscheuer im Ort über sein Leben.

Mehr erfahren über Barock-Prediger aus Oberschwaben-Allgäu im Podcast
Ein niedlicher Stuckengel öffnet einen prunkvollen Vorhang mit Goldborte

Putto / Putti (Pl.)

Wo kommen nur die vielen geflügelten, pausbäckigen Kindergestalten her, die die Wände und Decken der Kirchen, Bibliotheken und Schlösser entlang der Oberschwäbischen Barockstraße bevölkern? Die sogenannten Putti haben ihren Ursprung in der Antike, feiern um 1500 ein Revival in der Kunst und werden in der Zeit des Barock zum Must-Have einer vollwertigen Raumdekoration. Spielerisch und leicht überwinden sie die Grenzen zwischen STUCK und Malerei, zwischen Diesseits und Jenseits.

Leuchtendes Deckenfresko der Wallfahrtskirche Steinhausen

Rokoko

Ist das Rokoko nun eine Spätform des Barock oder doch eher die auf ihn folgende Stilepoche? Hier gehen die Meinungen auseinander. Einig ist man sich aber bei den Unterschieden: Betont der Barock noch Größe, Monumentalität und die als göttlich geltende Symmetrie, so verlegt sich das Rokoko auf spielerische Deko-Elemente, die den Innenräumen Leichtigkeit und Eleganz verleihen. Der Begriff stammt von „Rocaille“, französisch für „Muschelwerk“, an das viele Rokoko-Ornamente denken lasse. „Typisch Rokoko“ sind u.a. die Innenräume der Wallfahrtskirche Birnau, Basilika der Abtei Ottobeuren und der Wallfahrtskirche Steinhausen.

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Weiße Stuckelemente an der Decke im Rittersaal auf Schloss Achberg

Stuck

Opulente 3D-Verzierungen aus Putzmasse sind aus barocken Bauwerken nicht wegzudenken. In kühnen Schwüngen rahmen sie Wandbilder, bilden Girlanden, setzen sich zu kraftvollen Blattornamenten zusammen oder lassen pausbäckige Engelchen, die PUTTI tanzen. Die Anwendungsmöglichkeiten kennen kaum Grenzen. Sie machen Stuckateure zu begehrten Künstlern – sogar Marmor wissen sie zu imitieren und schaffen bunt gemaserte Säulen von höchster Eleganz. Eine besonders imposante Stuckdecke können Besucher z. B. im Rittersaal von Schloss Achberg bewundern.

Deckenfresko mit einer gemalten Kuppel als klassische Tromp-l´oeil-Malerei im Barock

Trompe-l’œil-Malerei

Wörtlich bedeutet Trompe-l’œil „Täuschung des Auges“ und genau das hatten die Maler in der Zeit des Barock im Sinn. Sie ließen an den Decken scheinbar offene Himmelsräume entstehen oder fügten Architekturelemente ein, die erst auf den zweiten Blick als Illusion zu erkennen sind. Malerei und Raum wurden so zu einem großen Wow-Effekt miteinander verbunden. Besonders eindrucksvolle Trompe-l’œil-Malereien finden sich im Kloster Schussenried, in der Basilika Weingarten, in der Klosterkirche St. Verena in Rot a. d. Rot und in der Wallfahrtskirche Steinhausen.

Devotionalien in Form von Christuskreuzen auf einem alten Baumstamm im Neidlingwald bei der Muttergotteseiche

Volksfrömmigkeit 

Volksfrömmigkeit wächst im Barock dort, wo Glaube den Alltag berührt: in Stuben, auf Feldern, an >WEGKREUZEN. Sie zeigt sich in Andachten, Prozessionen, Heiligenbildern und kleinen Ritualen, die Sicherheit und Trost spenden. Nicht immer streng nach kirchlichem Lehrbuch, aber tief verankert im Leben der Menschen. So entsteht eine warme, persönliche Form des Glaubens, die tief im Herzen der Bevölkerung verwurzelt ist und sich bis heute erhalten hat. Ein Beispiel hierfür ist die "Muttergotteseiche im Neidlingwald" bei Pfullendorf. Die Wallfahrtskirche Maria Schray in Pfullendorf ist ein barockes Kleinod und bis heute beliebtes Pilgerziel. Das Gnadenbild der Maria aber, das einst die Kirche schmückte, befindet sich im nahen Neidlingwald. Wie es hierzu kam, darum rankt sich eine Legende.

Mehr zur Muttergotteseiche in Pfullendorf erfahren

Vox Humana („Menschliche Stimme“) 

Die erstaunlichsten Klänge lassen sich einer barocken Orgel entlocken. Manche davon ahmen Naturgeräusche nach, wie Kuckucksrufe, Vogelgezwitscher und prasselnden Regen. In den Kirchen der Klöster Weingarten und Ochsenhausen konstruierte der Orgelbauer Joseph Gabler zudem eine kurzbechrige Orgelpfeife, die den leicht näselnden Klang einer menschlichen Singstimme imitiert. Zieht der Organist das Register „Vox Humana“, so glaubt man, auf der Empore stehe ein Knabe, der mit feiner Stimme singt. Das war den Menschen unheimlich! Sie raunten sich zu, Gabler habe dem Teufel für dieses Register seine Seele verkauft. Ob das stimmt? Die von ihm gebauten Instrumente hat er auf jeden Fall mit einem reichen Spektrum an Tönen und Geräuschen beseelt.

Mehr barocke Klänge erlauschen
Goldenes Kreuz auf rotem Samt hinter verziertem Gitter

Wallfahrten 

Im Barock erlebt die Wallfahrt in der Region an der Oberschwäbischen Barockstraße eine Blüte. Von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erholt sich die Bevölkerung nur langsam, die meisten Menschen leben auch Jahrzehnte später noch in bitterer Armut. Bei der Wallfahrt suchen sie Trost, Hoffnung und Antwort auf ihre Gebete. Beliebte Ziele sind alte Gnadenbilder oder besondere Reliquien, für die oft neue, prachtvolle Kirchen erbaut wurden wie etwa in Steinhausen. Der Weg dorthin ist auch ein soziales Ereignis: Man zieht gemeinsam los, betet, singt und tauscht unterwegs fleißig Neuigkeiten aus. 

Wegkreuz mit zwei betenden Figuren am Fuß, im Hintergrund grüne Wiesen im Abendrot

Wegkreuze

Die vielen Wegkreuze in Oberschwaben sind stille Zeugen des barocken Glaubenslebens. Sie markieren Wege, erinnern an Gelübde, danken für überstandene Gefahren oder laden zu einem kurzen Gebet ein. Oft kunstvoll aus Holz oder Stein gearbeitet stehen sie an Feldern, in Wäldern oder an Kreuzungen. Für Reisende waren sie Orientierungspunkte, für Dorfbewohner Orte der Andacht. Wegkreuze machen weithin sichtbar, wie sehr Glaube und Landschaft im Barock miteinander verwoben waren.

Die Oberschwäbische Barocksktraße erlauschen

Frau mit weißen Kopfhörern und Handy in der Hand spaziert entlang eines von rosa Rosen gesäumten Weges und bestaunt die Fassade vom Neuen Schloss Tettnang

Neue Lauschtouren im himmelreich des barock

Barock wird hörbar: Neue LAUSCHTOUREN laden dazu ein, die Oberschwäbische Barockstraße individuell und mit allen Sinnen zu entdecken – mit Geschichten, Stimmen und Klangbildern direkt vor Ort.

Mehr zu den LAUSCHTOUREN erfahren

die schönsten stationen der oberschwäbischen barockstrasse

Die Oberschwäbische Barockstraße


Zwischen Ulm, dem Bodensee und der Ostschweiz verbindet die Oberschwäbische Barockstraße eine einzigartige Kulturlandschaft. Prächtige Kirchen, Klöster und Schlösser zeugen vom Glanz des Barock und laden dazu ein, Geschichte, Kunst und Tradition hautnah zu erleben. Entdecken Sie eine Reise voller beeindruckender Architektur und malerischer Landschaften!

 

Wallfahrtskirche St. Peter u. Paul Steinhausen Außenansicht © Oberschwaben Tourismus GmbH, Florian Trykowski
© Oberschwaben Tourismus GmbH, Florian Trykowski

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Frontansicht des Routenführers mit dem Titel: Im Himmelreich des Barock, Oberschwäbische Barockstraße

Die kostenlose Broschüre zur Oberschwäbischen Barockstraße mit spannenden Reportagen, Übersichtskarten und einem Stationsverzeichnis, Informationen zu den Radwegen sowie das Reisemagazin für die Region Oberschwaben-Allgäu schicken wir Ihnen gerne kostenfrei direkt nach Hause.