die krone in trogen
als Bühne bürgerlicher Teilhabe
Die Ende 2023 wiedereröffnete Krone in Trogen gehört zu den markantesten historischen Gaststätten der Schweiz. Errichtet wurde sie 1727 von Conrad Zellweger‑Tanner, einem Angehörigen der bedeutenden Textil- und Handelsfamilie Zellweger. Das Gebäude ist bis heute Kulturdenkmal und ehemals zentrales Element in der politischen Landschaft des Kantons Appenzell Ausserrhoden.
Wer die Krone am Landsgemeindeplatz betritt, spürt sofort, dass dieses Gebäude weit mehr ist
als „Ein Bistro, ein Saal, sechs Zimmer“, wie die Website verspricht. Denn hier wird eine Epoche
lebendig, in der Handel, Macht und Aufbruch eng miteinander verwoben waren: das „Jahrhundert
der Zellweger“. Die Geschichte der Familie, deren Name das wirtschaftliche und politische
Leben im Kanton Appenzell Ausserrhoden über Generationen prägte, steht beispielhaft für den
Übergang der Schweiz von einer agrarischen zu einer frühindustriellen Gesellschaft. Die Zellwegers waren Textilunternehmer, Weltreisende, Diplomaten und Gestalter eines Ortes, der bis heute als Symbol bürgerlicher Selbstbestimmung gilt.
Die barocke Architektur der Krone spiegelt diesen Anspruch wider. Hinter der symmetrischen Holzfassade mit ihren hellgrünen, schwungvoll gebogenen Muschelornamenten und dem repräsentativen Sandsteinportal zeigt sich eine erstaunliche Verschmelzung aus Appenzeller Tradition und „modernem“ europäischem Stilbewusstsein. Denn im Innern erzählen Nussbaum getäfelte Stuben, fein gearbeitete Türen und ein kunstvoll gestalteter Kachelofen von einer Welt, in der Repräsentation und Geselligkeit eng verknüpft waren. Hier wurden Gäste empfangen, Geschäfte gemacht und Nachrichten ausgetauscht.
Doch die Krone ist nicht nur architektonisch bemerkenswert. Sie steht an einem Ort, an dem sich
Geschichte und Demokratie begegnen: dem 2021 neu gestalteten Landsgemeindeplatz von Trogen. Hier, unter freiem Himmel, versammelten sich bis zur Abschaffung der Landsgemeinde im Jahr 1997 die stimmberechtigten Bürgerinnen und Bürger, um per Handerheben über Gesetze und Ämter zu entscheiden – während nebenan die Familie Zellweger ihre wirtschaftliche Machtbasis ausbaute. Die Krone steht also als Symbol für die Verbindung von Unternehmergeist, künstlerischem Ausdruck und öffentlichem Bewusstsein, das Trogen zu einem Ort europäischen Ranges macht. Rund um den Landsgemeindeplatz steht bis heute das Ensemble aus Gasthäusern, Prachtbauten, Kirche und Gemeindehaus als städtebauliche Bekundung bürgerlichen Selbstvertrauens – ein Appenzeller Gegenstück zu den barocken Residenzen und Klöstern, nur demokratischer und menschlicher.
Mit der Umwandlung des Hauses in einen Gasthof im Jahr 1810 erhielt die Krone eine neue Rolle:
Sie wurde zum öffentlichen Ort, an dem sich Reisende, Handelsleute und Einheimische trafen.
So führte sie die Idee des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Austauschs fort, die
schon in ihrer Entstehungszeit grundlegend war.
Bis 1998 führten vier Generationen der Wirtsfamilie Böhm das Haus und der Kronensaal
war Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Nach Besitzerwechseln, Irrungen und Wirrungen trafen sich am 1. März 2023 rund 60 Einwohnerinnen und Einwohner des Orts in der Krone
und entschieden, „dass die Vergangenheit dieses Hauses so wichtig ist, dass wir in die Zukunft investieren müssen.“ Es entstand die „Stiftung Krone Trogen 1727“, die kurzerhand die Liegenschaft kaufte und sie gemeinsam mit einem ebenfalls neu gegründeten Verein am 4. November 2023 zu neuem Leben erweckte – als Bistro, mit zwei Teilzeitstellen, mehr
als 70 Ehrenamtlichen und reichlich Herzblut: „Für mich ist die freiwillige Arbeit im Kronen Bistro
eine einzigartige Mischung: Hier erlebe ich herzliches Miteinander, treffe spannende Menschen und habe Spaß daran, etwas zum aktiven Dorfleben beizutragen“, sagt Selina Zindel, Bistro-Mitarbeiterin.
Heute gehört das Haus zur Oberschwäbischen Barockstraße, bildet in der multimedialen Dauerausstellung „Jahrhundert der Zellweger“ einen zentralen Baustein und fast 300 Jahre nach ihrer Erbauung ist die Krone wieder das, was sie immer war: ein Ort der Begegnung, der Gastfreundschaft und bürgerschaftlichen Engagements. Und das im wörtlichen Sinne, wie Andreas Schiess, Bistro-Mitarbeiter, betont: „Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen: ich darf – zusammen mit der Belegschaft – unseren illustren Gästen dienen. Ein wahrlich würdiger Dienst an der Gemeinschaft.“
«Ein familiäres Ambiente in bildhafter Erscheinung, betrieben durch ein Dorf mit vereinten Kräften!»
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