Rondell Hirschgraben
Am Hirschgraben lässt sich Ravensburgs mittelalterliche Stadtbefestigung noch ungewöhnlich deutlich ablesen. Zwei Mauerringe, der dazwischenliegende Graben und das Rondell bildeten einst ein gestaffeltes Verteidigungssystem. Der um 1450 errichtete Halbrundturm ragte aus der Mauer hervor. Durch seine Schießscharten konnten die Wachmannschaften den Graben und die angrenzenden Mauerabschnitte überblicken und verteidigen. Um 1500 bis 1520 wurde der Turm in Ziegelbauweise aufgestockt.
Der Hirschgraben gehört zu den am besten erhaltenen Abschnitten der historischen Ravensburger Stadtbefestigung. Während viele Mauern und Türme im Laufe der Stadtentwicklung verschwanden, ist hier die mittelalterliche Struktur bis heute beinahe vollständig nachvollziehbar geblieben. Wer am Rondell entlanggeht, bewegt sich somit durch einen Stadtraum, dessen frühere Funktion noch im Gelände erkennbar ist.
Seinen Namen trägt der Hirschgraben nicht nur im übertragenen Sinn. Bereits 1459 sind Hirsche im Stadtgraben belegt; eine Beschreibung aus dem Jahr 1495 berichtet sogar von rund 30 Tieren. Der ehemalige Wehrgraben erfüllte damit zugleich eine repräsentative und alltägliche Aufgabe. Bis 1971 wurde an diesem Ort Rotwild gehalten.
Heute ist aus der früheren Verteidigungsanlage ein grüner Übergang zwischen Altstadt und moderner Stadt geworden. Das Rondell erinnert an Schutz und Abgrenzung, der offene Graben lädt dagegen zum Innehalten und genauen Hinsehen ein. So wird am Hirschgraben besonders anschaulich, wie historische Bausubstanz und gegenwärtiges Stadtleben in Ravensburg ineinandergreifen.