Nach der Stadterweiterung und dem Abbruch der staufischen Stadtmauer wurde das Rathaus 1386 von der Oberstadt hierher verlegt und anstelle älterer Bürgerhäuser erbaut. Auf der Ostseite befindet sich eine sehr frühe Darstellung des Stadt- und Reichswappens aus Sandstein, die auf das 14. Jahrhundert zurückgeht. Im Erdgeschoss war bis 1875 eine gewölbte Halle mit Ladenlokalen untergebracht, und seit dem 17. Jahrhundert befand sich dort ein Bierschanklokal der Spitalbrauerei. An der Nordseite wurden vom Gerichtskerker aus Todesurteile verkündet. Im ersten Stock beeindrucken zwei prachtvolle spätgotische Ratssäle, die mit gewölbten Balkensegmentdecken und historisch bedeutsamen Ausstattungsmerkmalen versehen sind, wie etwa Glasfenstern, Zunfttafeln, Fresken und einem Stadtplan von 1625. Besonders im kleinen Saal fallen zwei sandsteinerne Fensterpfeiler mit plastischem Schmuck aus dem 14. Jahrhundert auf. Das Amtszimmer des Oberbürgermeisters im ersten Obergeschoss ist ebenfalls im spätgotischen Stil gehalten. Im angrenzenden Salzhaus finden sich Rechtssprüche aus dem Jahr 1581, die die historische Bedeutung dieses Gebäudes weiter unterstreichen.