Oberschwäbisches Museumsdorf Kürnbach
Altes Leben zum Anfassen und Mitmachen
Der Besuch im Museumsdorf Kürnbach startet mit herrlichem Seifenduft. Der Eingang ist nämlich direkt im Museumslädele. Hier gibt’s einzelne Süßigkeiten aus dem Glas für ein paar Cent (wie früher), es gibt leckere Gutsle und Bombole in vielen bunten Sorten – und eben duftende Seife. Wir schaffen es nach vielen Aahs und Oohs nach draußen aufs Gelände. Rund 40 alte Häuser stehen hier. Die sind alle echt und wurden an ihrem eigentlichen Standort abgebaut und im Museumsdorf originalgetreu wieder aufgebaut – inklusive Einrichtung! Wir finden Nachttöpfe und Suppenkellen, Plumpsklos, Herrgottswinkel, alte Telefone und ein Schaukelpferd, Bauerngarten, Streuobstwiese und mehr.
Wir durchstöbern einige der Häuser und vespern dann unter alten Obstbäumen. Wattewolken am blauen Himmel, altmodische Wäsche flattert im Wind, Vögel zwitschern und immer wieder spitzelt die Sonne zwischen den Blättern durch. Ist das herrlich! Die oberschwäbische Geschichte ist hier im Museumsdorf zum Greifen nah. Meine Kinder erfahren viel darüber, wie einfach und auch anstrengend das Leben früher sein konnte. Waschmaschine? Spülmaschine? Milch aus dem Supermarkt? Vergiss es!
Überall gibt’s Mitmach-Möglichkeiten für Groß und Klein. Wasserpumpe, Kühe melden, Feuerwehr-Spritze oder die historische Kegelbahn oder Schautafeln mit kleinen Rätseln. Gemeinsam überlegen wir, wer gerne in welches Haus einziehen würde. Mir gefällt das Haus Christ am besten. Das ist so schön klein und gemütlich. Tatsächlich wohnten eine der letzten Mieter hier aber mit sieben Kindern!
Überhaupt kommt man den Menschen von damals hier im Museumsdorf emotional sehr nah. Wir erfahren Namen und Berufe, Sorgen und Nöte, Wünsche und Glücksfälle. Fast als wären wir direkt in die Vergangenheit gereist. Wir haben Kürnach an einem „normalen“ Tag besucht. Es gibt aber auch tolle Thementage oder Führungen. Von alten Kinderspielen bis Moscht, von Kräuterführung bis Handwerkertag. Oder spezielle Angebote für Schulklassen und Kinder-Geburtstage.
Ach, ich könnte ewig schwärmen. Von dem gigantisch tollen Abenteuerspielplatz, den süßen Ziegen und lustigen Hühnern oder dem leckeren Kuchen, der Mini-Dampfbahn oder der historischen Kegelbahn. Für Kinder gibt es eine Museumsralley. Wer alle Stationen findet und abstempelt, bekommt am Ende eine kleine Überraschung.
Landleben wie einst: Alte Bauernhäuser zwischen blühenden Wiesen und weitem Himmel. © Oberschwaben Tourismus GmbH, Julia Rizzolo
Am Ende unseres Besuchs sitzen wir bei Kuchen und Eis in der Sonne und überlegen, was allen am besten gefallen hat. Mir haben es vor allem die Werkstätten angetan. Auch diese sind authentisch und stammen von Handwerkern aus der Gegend. Dort sind so viele kleine Details verborgen. Nur kurz dran vorbeigehen ist gar nicht möglich! Alle Räume sehen aus, als würde der Meister gleich um die Ecke biegen oder der Pumuckl aus einer Schublade springen.
Dann darf sich jeder im Lädele ein Päckle Gutsle als Andenken aussuchen. Ich entscheide mich für rot-weiß gestreifte Pfefferminz-Bonbons. Mein Mann nimmt Ingwer-Zitrone. Die lassen wir uns zuhause schmecken und denken an unseren schönen Tag im Museumsdorf.
Es ist zwar fast unmöglich, an einem Tag alles genau anzuschauen und zu genießen. Aber das ist vielleicht auch gut so – das gibt uns einen Grund, mal wieder herzukommen.