Grenzüberschreitendes Projekt zur Schwabengängerei
Seit Anbeginn des 17. Jahrhunderts zogen alljährlich im Frühjahr die Kinder armer Bergbauernfamilien zur Arbeit nach Oberschwaben. Das Ziel der sechs- bis fünfzehnjährigen Buben und Mädchen aus Vorarlberg, Tirol, dem Vinschgau und Graubünden, war der so genannte „Hütekindermarkt“ in Ravensburg. Dort wurden die jugendlichen Saisonarbeiter an oberschwäbische Bauern vermittelt. Auf Höfen im Allgäu und Oberschwaben hüteten sie den Sommer über das Vieh, die Buben halfen im Stall und bei der Ernte. Die Mädchen arbeiteten im Haushalt mit, versorgten das Kleinvieh oder beaufsichtigten die kleineren Kinder ihrer Dienstherren. Im Herbst kehrten die Schwabenkinder, wie sie bis heute in ihrer Heimat bezeichnet werden, mit neuer Kleidung und etwas Bargeld zurück zu ihren Familien. Auf diese Weise trugen sie bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Lebensunterhalt ihrer Eltern und Geschwister bei.
Der Weg der Schwabenkinder ist ein grenzübergreifendes Projekt. Museen und Archive in Vorarlberg, Tirol, Südtirol, Graubünden und Oberschwaben arbeiten zusammen die Geschichte der Schwabenkinder auf und präsentieren diese vor Ort. Durch einen Themenwanderweg werden diese Stationen miteinander verbunden. So ist es möglich, die Wege der Schwabenkinder von deren Heimatregionen aus nach Oberschwaben zu erwandern.
Ziel ist das Bauernhaus-Museum in Wolfegg. Hier wird das Thema ab dem 24. März 2012 in einer Dauerausstellung, begleitet von diversen museumspädagogischen Maßnahmen, präsentiert.
Auch das Museum Humpis-Quartier in Ravensburg steht seit November 2011 ganz im Zeichen der "Schwabenkinder": dort ist die Kabinettausstellung zum Hütekindermarkt in der Ravensburger Bachstraße und zur Arbeit von Kindern im 19. Jahrhundert in drei "wundersamen Kammern" zu sehen.
Der Wanderführer"Schwabenkinder-Wege Oberschwaben" ist im Bergverlag Rother erschienen. Dieser leitet von Bregenz aus zu den ehemaligen Kindermärkten in Friedrichshafen und Ravensburg durch einen Teil der ehemaligen Dienstorte und endet in Wolfegg. Wanderer entdecken dabei stille Winkel eines Oberschwabens, wie es selbst vielen Einheimischen unbekannt ist. Die Routen sind leicht und folgen gut bezeichneten Wegen. Autor des Buches ist Elmar Bereuter, er zählt zu den besten Kennern des Phänomens der Schwabenkinder und berichtet viel Wissenswertes dazu. Bekannt wurde er als Autor des Romans "Die Schwabenkinder – Die Geschichte des Kaspanaze", auf dem die preisgekrönte TV-Verfilmung des Themas mit Tobias Moretti beruht.
Weitere Informationen zu den Ausstellungen und zum Wanderweg erhalten Sie unter www.schwabenkinder.eu.






