Von Michael Schmid
„Steig nuf de Berg, guck naus ens Land,/ was miar e schöne Hoimet hant“. Auf dem Bussen, dem heiligen Berg Oberschwabens, könnte der Mundartdichter August Lämmle diese Verse geschrieben haben, auch wenn der Dialekt eher nach neckarschwäbisch klingt. Denn nirgendwo sonst hat man die Landschaft zwischen Donau und Bodensee, Alb und Allgäu so im Blick. Äcker und sattgrüne Wiesen wechseln mit Wäldern und fruchtbaren Obstgärten, da und dort blitzt ein Weiher oder ein kleiner See, Hügel reiht sich sanft an Hügel. Dazwischen schmucke Dörfer eingestreut, Burgen und Schlösser, Klöster und Kapellen. Ein naher Kirchturm grüßt mit festlichem Geläute. Am Horizont ist der Spiegel des Bodensees zu erahnen und über allem wachen die fernen Alpen, die bei Föhn zum Greifen nahe sind. Eine gottgesegnete Gegend?
Das scheint man hier durchaus wörtlich zu nehmen. Denn unbeschadet der Anfechtungen der Reformation und weitgehend resistent gegenüber den Bemühungen der Aufklärung ist man hierzulande gut katholisch geblieben. Und das wird auch 200 Jahre nach der Säkularisation, als die einstmals reichen und stolzen Klöster zu Schulen, Strafanstalten und Irrenhäusern umfunktioniert wurden, selbstbewusst und gern demonstriert. Die Kirchen und Beichtstühle sind stärker frequentiert als anderswo, die Feldkreuzdichte ist trotz Flurbereinigung erstaunlich hoch und Wallfahrten und Flurritte haben immer noch oder wieder Konjunktur.
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